Mobbing in der Schule

Ich habe in diesem Abschnitt darauf verzichtet, das Phänomen wissenschaftlich abzudecken. Vielmehr möchte ich nur ein allgemeines Intro geben und habe bei den Unterthemen auf drei Experten zurück gegriffen, welche sich kompetent zum Thema "Mobbing in der Schule" im Internet an verschiedenen Stellen geäußert haben. (siehe Rand!)


Vorbemerkung zu diesem Abschnitt von Michael Thoma

Mobbing ist eines der Hauptthemen in der Schulpsychologischen Arbeit. Meist erfahren Eltern und Lehrer viel zu spät von den Problemen des Kindes, welches gemobbt wird. Dies liegt vor allem daran, dass Mobbing eher ein verdecktes, schleichendes Phänomen ist und dass sich Kinder oftmals sogar "daran gewöhnen" und es gar nicht anders kennen. Die beschämende Angst vor einer "Veröffentlichung" des Problems ist außerdem oft zu groß...

Viele Organisationen (Lion`s Club, Polizei, Beratungsstellen, usw.) haben sich im Bereich der Primärprävention durch Projekte, Schulungen, Unterrichtskonzepte und Klasseninterventionen bereits sehr um dieses Thema verdient gemacht. Dennoch muss ich als Schulpsychologe anmerken,
dass mich präventive Konzepte nicht wirklich mit einer anhaltenden Wirksamkeit überzeugen können. Zwar sind die Unterrichtseinheiten meist sehr spielerisch, unterhaltsam und lehrreich angelegt und alle - Lehrer wie Schüler - finden es toll, dass es mal "solche wichtige Stunden" gibt bzw. "Jemand von außen" da ist, doch ist diesen Stunden allen etwas gemein - sie sind nur ein Abbild von einer möglichen Realität; sie werden konsumiert, aber kaum verarbeitet; sie erlauben dem Schüler auf ein Problem aus der Distanz zu schauen und lösen somit Scheinbetroffenheit aus (die dann alle Erwachsenen im Raum zufriedenstellt). Dies erklärt m.E., warum man am Tag darauf an solchen Klassen vorbei gehen kann und evtl. sieht, wie gerade ein Schüler massiv gemobbt wird, wie ich es bereits erlebt habe.

Mein persönlicher Ansatzpunkt wäre demnach, die Lehrer bereits in der Ausbildung mehr im Bereich Kommunikation und Konfliktvermittlung zu schulen. Mobbing-Prävention muss täglich von uns Lehrern im Unterricht betrieben werden. Dabei geht es am Gymnasium vor allem darum, die bereits durch die Elternerziehung bestehenden Werte der Schüler neu im Kontext Schule bewusst zu machen, sodass sie wirklich verinnerlicht und gelebt werden können. Lehrer müssen wissen, wie sie Mobbing erkennen können und wie sie damit umgehen müssen. Meist verlaufen Mobbing-Gespräche zwischen Lehrern und Klassen oft mit dem Ziel der "Suche nach dem Schuldigen". Dabei geht es eher darum, verschiedene Meinungen, Sichtweisen und Wahrnehmungen einer Konfliktsituation für die Klasse offen zu legen und somit Verstehen = Verständnis für "Opfer" und "Täter" zu ermöglichen. Anschließend müssen mit der Klasse und den Betroffenen gemeinsame Wege und Ziele für Zukunft formuliert werden - die man später dann aber auch auf ihre tatsächliche Umsetzung überprüfen muss.

Deshalb gilt es für Eltern und Schüler an ihrer Schule einen "Profi" (z.B. Klassenleiter, Vertrauenslehrer, Verbindungslehrer, Stufenbetreuer, Schulleiter, Beratungslehrer, Schulpsychologe, usw.) in Sachen Kommunikation zu finden, der weiß, wie man das "heiße Eisen Mobbing" richtig anpackt