Hochbegabung
Hochbegabung am Gymnasium kommt doch häufiger vor als man denkt. Meist wird sie über IQ und Leistungstest ermittelt. Als magische Grenze gilt IQ > 130. Doch muss man wissen, dass viele populäre IQ-Tests - die derzeit in Verwendung sind - oft nochmit einer veralteten Normierung aus den 60er/70er Jahren arbeiten. Da man festgestellt hat, dass die Bevölkerung über die letzten Jahrzehnte deutlich "intelligenter" (z.T. auch durch Testerfahrung, z.B. in TV-IQ-Shows) wurde, muss man so manchen IQ-Wert im Jahr 2005 um die 130 entsprechend einordnen, wenn er mit "alten" Verfahren ermittelt wurde. Außerdem hat jeder IQ-Test, egal ob "alt" oder "neu" einen Messfehler (ähnlich einer Personenwaage), der leicht 10 IQ-Punkte hin oder her ausmachen kann.
Dennoch ist eine wichtige Aufgabe von Schule Begabungen von Schülern frühzeitig zu erkennen! Ein differenziertes Lehrer- und Elternurteil sollte IQ-Verfahren bei der Diagnostik daher unbedingt ergänzen. Oft jedoch müssen Eltern bei Lehrern erst auf evtl. Begabungen ihres Kindes hinweisen, wenn ein hoher IQ extern festgestellt wurde. In der Folge erhalten dann Eltern - nicht selten widersprüchliche - schulische Einschätzungen zum "angeblich" begabten Kind. Verunsicherung auf beiden Seite kann die Folge sein, vor allem wenn das Kind der in der Fachliteratur beschriebene "Underachiever" (eher Jungen!) ist, der aufgrund von Faulheit, Motivationsmangel oder gar Unterforderung trotz seines überdurchschnittlichen IQs eher schlechte schulische Leistungen zeigt, also deutlich unter seinen potentiellen Möglichkeiten bleibt. Über die Hochbegabung eines fleißigen Mädchens, das nur Einsen und Zweien hat, außerdem malt und drei Instrumente spielt, wird eher selten diskutiert...
Hochbegabungsprojekte bundesweit versuchen immer wieder besonders begabte Kinder zu fördern. In speziell eingerichteten Hochbegabten-Klassen (z.B. in München oder Erlangen) versuchen Psychologen und Lehrer Kursprogramme zu erstellen, die der sogeannten "Enrichment"-Konzeption folgen (=Bereicherung des "normalen" Unterrichts). Doch selten sind die teilnehmenden Schülergruppen homogen genug, d.h. alle in den gleichen Bereichen gleich begabt, bzw. alle im selben Alter, so dass eine echte Förderung in der Praxis oft schwer durchführbar ist.

