Medikation pro & contra
Pille oder Therapie?
Die Frage "Lösen sich die Probleme durch Reden und Psychotherapie, oder braucht das Kind Pillen?" ist falsch gestellt. Viele Kinder und ihre Familien brauchen beides, und zwar in der richtigen Reihenfolge, Kombination und vor allem Dosierung. Leider werden Medikamente wie "Ritalin" zu häufig verschrieben, vor allem von unerfahrenen Ärzten (=subjektiver Eindruck).
1. Wie wirken die Medikamente?
Bei einer Medikation werden die Kinder nicht durch Beruhigungsmittel "ruhiggestellt", sondern durch sogenannte Stimulantien im Bereich der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin günstig beeinflusst, d.h. sie werden wacher, aufnahmebereiter und ruhiger.
2. Nebenwirkungen
Berichtet wird von gelegentlichem Appetitmangel, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Übelkeit. Bei genauem Nachfragen stellt sich aber auch immer wieder heraus, dass diese Symptome bereits vor der Medikation vorhanden waren.
Eine Suchtgefahr und Auswirkungen auf das Längenwachstum werden zwar diskutiert, sind aber empirisch meist nicht haltbar oder werden von den Medien oft verzerrt dargestellt.
3. Erfolge durch Medikation
Die große Mehrheit der Ärzte, Eltern und Kinder scheint sich darüber einig, dass deutliche Erfolge in den Bereichen Lernen (Kognition), Motorik (vor allem Schrift) und Verhalten durch eine gut dosierte Medikation erreicht werden können.
4. Grenzen der Medikation
Medikamente sind keine "Schlaumachpillen" oder "IQ-Pusher". "Die Schüler können nun durch verbesserte Informationsverarbeitung zeigen, was in ihnen steckt. Begabungen und Talente haben endlich eine Chance, sie gehen nicht im allgemeinen Wirrwarr und der inneren Hektik unter." (ADS-Buch, S. 286)
5. Persönliches Fazit
Ebenso schwierig wie die richtige Diagnose ist offensichtlich auch die Medikation. Es gilt daher einen wirklichen Experten auf diesem Gebiet zu finden. Dieser wird die Notwendigkeit und Dosierung aus seiner umfangreichen Erfahrung sicher verantwortungsvoller abschätzen können, als der normale Hausarzt von Nebenan.
Nach den vielen in der Literatur belegten positiven Rückmeldungen aus dem Schul- und Elternbereich und einer ganz klaren "Entwarnung" der Mediziner hinsichtlich starker Nebenwirkungen, sollte man sich m.E. nicht leichtfertig der in Deutschland weit verbreiteten allgemeinen Medikamenten-Skepsis anschließen. Vielmehr gilt es, die Gesamtpersönlichkeit und das pädagogische Umfeld des Schülers angemessen zu berücksichtigen, sowie den tatsächlichen Leidensdruck festzustellen und diesen den ggf. erforderlichen Mitteln abwägend gegenüber zu stellen.

